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Lawine LongCOVID - Was gibt es Neues, was kommt auf uns zu?

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Eine Gesellschaft der Erschöpften

von Dr. Ellen Kaminski, 26. August 2022

Zusammengefasst:

  • Die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin hoch

  • Damit verknüpft steigt die Zahl der erwartbaren LongCOVID Fälle

  • Jede Infektion, Reinfektion und Durchbruchsinfektion erhöht das Risiko für Langzeitfolgen

  • Auch nach leichten oder unbemerkten Corona-Infektionen tritt LongCOVID auf

  • Der Risikozeitraum für das Auftreten von Corona-Spätfolgen kann zwei Jahre und mehr betragen

  • Wir haben keine wirksame Therapie

  • Unser ärztliches Tun beschränkt sich derzeit auf kosten- und zeitintensive Rehabilitationmassnahmen

  • Wir müssen uns auf eine Lawine an LongCOVID Erkrankungen einstellen

  • Ebenso auf exorbitant hohe Kosten, auf menschlicher und auf wirtschaftlicher Seite


Das vierte Jahr der Pandemie beginnt in wenigen Monaten. Nahezu über Nacht wurden wir 2020 mit einem neuen Virus konfrontiert, das in kürzester Zeit alle Kontinente erreicht hat. Seitdem haben wir viel geleistet und viel erreicht. Mit nie zuvor gekannten Mobilitäts-Beschränkungen, Hygiene- und Barrieremassnahmen, schliesslich auch wirksamen Impfstoffen und einer Lernkurve in der Behandlung haben wir die schweren, ersten Mortalitätswellen eindämmen können. Ein gewaltiger Kraftakt, und doch sind wir dem Virus nicht voraus. Auch wenn die Schlagzeilen sinkende Inzidenzen, milde Verläufe und gebrochene Wellen verkünden, haben wir das Virus noch mitten unter uns. Allein die täglich gemeldeten Fälle der Neuinfektionen liegen im fünfstelligen Bereich. Am 26. August waren es 33.404. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher sein.

Es ist die chronische Verlaufsform von COVID-19, die uns Sorgen bereitet. Ausgeprägte Müdigkeit, Belastungsintoleranz, Atembeschwerden, diffuse Denkstörungen (brain fog), Herzrasen, vielschichtige Schmerzsyndrome und Störungen in nahezu jedem Körperorgan. Die chronische Verlaufsform von COVID-19, die als LongCOVID und mittlerweile auch als PACS (Post-Akutes COVID-Syndrom) bezeichnet wird, bleibt rätselhaft. Dazu gehört eine ungenaue Schätzung, wie viele der akuten Infektionen in einer langen Verlaufsform münden. Die Bandbreite einer Reihe von Untersuchungen infizierter Erwachsener, liegt zwischen 5 % bis 40 %. Eine aktuelle Studie gibt uns jetzt eine genauere Beurteilung durch die Langzeit-Beobachtung der Studienteilnehmer, die bereits vor der Infektion mit der Aufzeichnung von Daten und Symptomen begann. Sie zeigt recht gut, dass 1 von 8 Personen (12,5%), nach einer SARS-CoV-2 Infektion von LongCOVID betroffen ist.


COVID-19 Neuinfektionen in Deutschland pro Tag pro 1 Million Einwohner, OWID log-Skala


Auch zur Dauer chronischer COVID-Folgen gibt es Neuigkeiten. Ein aktueller Bericht im renommierten Lancet, mit der Auswertung der Daten von mehr als 1,25 Millionen Menschen zeigt ein erhöhtes Risiko über einen Zeitraum von zwei Jahren für die Entwicklung von Demenz, Krampfanfällen und Psychosen Ein Nature-Artikel nennt einen Risiko-Zeitraum von mindestens einem Jahr für vermehrte Herz- und Blutgefäßerkrankungen, Diabetes, Gerinnungsstörungen sowie Lungen- und Nierenschäden. Dies gilt auch bei leichten und mittleren Verlaufsformen ohne Krankenhausaufenthalt. Selbst vorangegangene Infektionen bieten offenbar keine Schutzfunktion. Im Gegenteil, das Risiko, eine oder mehrere der langdauernden COVID-19-Spätfolgen zu erleiden, scheint sich bei Reinfektionen, einschließlich Durchbruchs-Infektionen, aufzuaddieren.

Mit anderen Worten: jede einzelne Infektion mit SARS-CoV-2, die ich vermeiden kann, lässt mein persönliches Risiko sinken, an LongCOVID zu erkranken.

Eine Umrechnung der täglichen Fallzahlen auf das, was da an potenziellen Langzeitfolgen auf unsere Gesellschaft zurollt, ist alarmierend. Allein am heutigen Tag wären es über 4000 zukünftige LongCOVID Patienten. Bei einer angenommenen Dunkelziffer mit dem Faktor drei, sind wir im fünfstelligen Bereich. Täglich. Diese bereits enorme Zahl könnte tatsächlich noch höher sein, da offenbar mehr als die Hälfte der Infektionen mit dem Subtyp Omicron, von den Betroffenen gar nicht bemerkt wird. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die fehlende Wahrnehmung einer Infektion ein wesentlicher Faktor für das beobachtete, rasante Ausbreitungsgeschehen des Virus ist. Auch dies ist ein gewichtiger Grund, zuverlässige Testungen weiterhin anzuwenden und das Durchbrechen von Infektionsketten zu ermöglichen. Mag man sich zunächst vielleicht noch über den vermeintlichen Beweis eines erhofften Übergangs in die endemische Phase bestätigt fühlen, wird einem die Freude vergällt durch die Erkenntnis, dass Langzeitfolgen damit keinesfalls vom Tisch sind. Im Gegenteil, LongCOVID tritt auch nach leichten Virus-Infektionen auf. Besonders problematisch ist zudem die Tatsache, dass es offenbar mehrheitlich die zuvor Gesunden trifft und die leistungsstarke Altersgruppe der 30- bis 50-Jährigen.

Unsere Erleichterung über ein abgemildertes Infektionsgeschehen überdeckt nur die Ausbreitung eines LongCOVID Schwelbrandes.

Unser Gesundheitssystem wird zunehmend mit Patienten konfrontiert, die nach einer unbemerkten oder einer leichten, ambulant behandelten COVID-19-Infektion eine chronische Erkrankung präsentieren. Was haben wir Ihnen anzubieten? In der Ärztlichen Leitlinie AWMF S1-Leitlinie Long/ Post-COVID (Stand17.8.2022) steht dazu: Wir bieten rehabilitative Maßnahmen an, Physiotherapie, Sport-und Bewegungstherapie, Ergotherapie, psychologische Psychotherapie, Logopädie, Ernährungsberatung, Pflegedienst, Sozialdienst und Soziotherapie. Belastungsintoleranz soll erkannt und Überlastung vermieden werden. Die Beantragung eines angemessenen Behinderungs- oder Pflegegrades soll nach je sechs Monaten neu diskutiert werden. Unter Kapitel fünf „Medikamentös therapeutische Intervention und Vakzination“ heisst es

Gesicherte medikamentöse therapeutische Interventionen beim Long/Post-COVID-Syndrom sind bisher nicht bekannt.

Und wie sieht es mit der Prophylaxe aus? Für alle Altersgruppen sind die Impf- und Auffrischungsraten zu niedrig. Dies ist umso gravierender, da bereits nachgewiesen ist, dass eine Impfung das LongCOVID Risiko reduzieren kann. Im Moment besteht unsere beste Massnahme also darin, akute COVID-19 Infektionen zu vermeiden. Aufhebungen und Lockerungen der Schutzmaßnahmen sind angesichts solch ungünstiger Konstellationen verfrüht. Dies gebietet nicht nur der vermeidbare erhebliche Leidensdruck der Betroffenen, sondern auch die zu erwartenden Arbeitsausfälle, gerade in den Reihen der produktiven Jahrgänge.

Sieht man sich die kosten-und zeitintensiven Reha-Anwendungen an, die wir bislang als einzige Behandlungsform anbieten, bleibt nur Unverständnis bei jedem Ruf nach einem Ende aller Schutzmassnahmen.

Lasst uns bitte die Scheuklappen ablegen. LongCOVID ist real und es fordert einen hohen Preis. Wenn wir diese Pandemie schließlich überwunden haben, wird uns LongCOVID noch erhalten bleiben. Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, ob wir eine gravierende gesundheitspolitische Lawine auf uns zurollen lassen, die wir nicht zeitnah und entschlossen genug angegangen sind. Jede planvolle Maßnahme und jede Investition in das Verständnis und die Bekämpfung der Krankheit ist eine Investition in unsere Zukunft nach der Pandemie.

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